Lesezeit: 3 Minuten | von Gabriela Meyer | 29.11.2018

Wie man zeigt, dass man freundlich ist

„Zwei Kugeln Stracciatella bitte!“

„Gerne. Moment, ich schenke Ihnen eine dritte Kugel! Welche möchten Sie?“

„Das ist aber lieb von Ihnen, vielen Dank! Dann nehme ich Schokolade.“

„Verrätst du mir, wie Du das machst?“, fragte mich darauf hin meine Begleitung.

„Ich bekomme nie eine Kugel extra.“

„Vielleicht liegt es daran, dass Du die Eisverkäuferin nicht anlächelst, sondern lieber eine Verbindung zum Joghurteis aufbaust.“


In unserer rauhen Welt offen und freundlich angelächelt zu werden ist wie ein warmer Sonnenstrahl.


In belebten Shopping-Centern wo Kunden vor Eisdiele anstehen, lässt sich immer wieder schön beobachten, was sich dort ereignet. Die Kunden betrachten die Sorten. Sie konzentrieren sich auf das Eis, um sich zu entscheiden. Nur wenige Kunden richten ihren Blick oder ihre innere Kamera auf das Personal. 

Versetzen wir uns in die Lage des Eisverkäufers. Viele Stunden des Tages verbringt er an einer Kühltheke vor Menschen, die ihn nicht sehen. Natürlich bemerkt er, wenn ihn plötzlich jemand zwischen Zitrone und Chunky Toffee heiter anlächelt und durch dieses Blickverhalten die Routine durchbricht. 

Nett sein zahlt sich aus. Diese Goldene Regel nach Kant nennt man in den Sozialwissenschaften „Reziprozität“, die Gegenseitigkeit des sozialen Austausches. Womit hier gemeint ist: Wer freundlich ist, darf auch eine dementsprechende Reaktion erwarten.


„Freundliches Verhalten gibt anderen das Gefühl, dass sie den Aufwand wert sind.“


Nun bekommt der Freundliche nicht nur zehn Prozent mehr Eis, wie die österreichischen Wirtschaftswissenschaftler Michael Kirchler und Stefan Palan in Studien in Studien nachweisen konnten, sondern Freundlichkeit macht unser Leben auch in vielen beruflichen Situationen leichter. Sie hebt die Stimmung in einer Sitzung, weckt Neugier am Telefon, überbrückt Hierarchien, nimmt Menschen für eine Idee ein und kann Türen zu interessanten Kontakten öffnen, die sonst vielleicht verschlossen geblieben wären.


Freundlichkeit macht in der Lebensqualität anderer Menschen einen Unterscheid.


Sie dürfen und sollen andere Menschen auch im Geschäftsleben in eine innerliche Euphorie versetzen, denn es besteht allerorten ein Mangel an Freundlichkeit. Wie zeigt man denn nun eigentlich, dass man freundlich ist? Hier finden Sie einige Ideen, die ich für Sie gesammelt habe:

 Im Job:

  • Mit heiterem „Guten Tag“ grüßen, statt wortlos an Menschen vorbeizugehen
  • Ein schriftliche Nachricht mit einer Anrede beginnen, einen Dank oder guten Wunsch hinzufügen
  • Schriftliche Fragen und Nachrichten zeitnah beantworten
  • Gästen ein Glas Wasser oder einen Café anbieten
  • WLAN bereit stellen (Work on that Germany!)
  • Den mit Reise-Gepäck beladenen Gast beim Marsch in den siebten Stock fragen, ob Sie ihm vielleicht eine Tasche abnehmen können.
  • Interessiert hinhören statt besser wissen
  • Ein Gefühl für das Kostbarste haben: Zeit

Was nicht nur freundlich sondern vornehm ist: 

  • Aufstehen beim Begrüßen, Vorstellen und Verabschieden
  • Dienstbereitschaft
  • Das letzte Stück Torte den Gästen überlassen
  • Fragen: „Was kann ich für Sie tun?“
  • Hilfe anbieten. Was immer Sie haben, es hat einen Wert für jemand anders.
  • Die grenzenlose Bereitschaft, sich Mühe zu geben

Menschen sind positiv überrascht, wenn sie Freundlichkeit erfahren. Haben Sie für jeden ein nettes Wort übrig. Sie schaffen damit erinnerungswürdige, schöne Momente, für sich und andere.


Und falls es mal doch keine freundlichen Menschen um Sie herum gibt? 

Den Saft einer Zitrone in den Mund träufeln und dabei süß lächeln.


Weiterführende Informationen: Nach Ansicht des schwedischen Arztes, Professors und Schriftstellers Stefan Einhorn ist ein intelligenter Mensch ein freundlicher Mensch. Er schrieb hierzu das viel beachtete Buch The art of being kind. In seinem gleichnamigen sehenswerten TED-Talk erklärt er, warum freundliches Verhalten glücklich, erfüllt und erfolgreich macht.